Escuela MIRIAM


An der Escuela MIRIAM in Esteli stehen verschiedene Bildungsangebote zur Verfügung mit dem Ziel, die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frauen zu fördern.


Alphabetisierungskurse und Grundschulunterricht

 

Um die Frauen mit fehlender Grundschulbildung zu erreichen, und sie zum Eintritt sowie zum Verbleib in den Klassen zu motivieren, wurde eine Informationskampagne entwickelt. Der Alphabetisierungs- und Grundschulunterricht wird von einem interdisziplinären Team von vier Lehrerinnen getragen, welche die Teilnehmerinnen auch über Frauenrechte informieren und sensibilisieren. Da die Projektteilnehmerinnen grösstenteils in ärmlichen Verhältnissen leben und unter der Woche oft als Fabrikarbeiterinnen, Hausmädchen, Strassenverkäuferinnen, Landarbeiterinnen etc. arbeiten, finden die Kurse am Wochenende statt.


Berufsbildende Kurse

 

Zu den berufsbildenden Kursen gehört neben der Berufsausbildung im engeren Sinn auch die praktische Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung von Initiativen für den Aufbau einer selbständigen Erwerbstätigkeit, um sich damit aus Situationen von Gewalt und Abhängigkeit befreien zu können.

 

Im Frisierkurs in der MIRIAM-eigenen Schule erklärt die Lehrerin den Teilnehmerinnen, wie eine Flecht-Frisur gemacht wird.
Im Kurs lernen die Frauen Frisuren zu machen, Haare zu schneiden etc., um dann selber dieses erlernte Wissen anzubieten oder eine Stelle in einem Schönheitssalon zu finden und somit finanziell selbständig und unabhängig zu werden.
Oktober 2015
© Corine Alex Gasser


Hausbesuche bei den Familien der Projektteilnehmerinnen

 

Mit den Hausbesuchen soll zwischen den Projektteilnehmerinnen, deren Familien  und den Lehrerinnen eine Vertrauensbasis geschaffen werden. Diese ermöglicht es, mit den Projektteilnehmerinnen über vorhandene Probleme zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, um einen drohenden Schulabbruch zu verhindern oder einen Wiedereintritt zu erreichen. In den Hausbesuchen wird zudem den Angehörigen vermittelt, wie wichtig das Projekt MIRIAM für die Frauen ist und was dies für die ganze Familie bedeuten kann.


Empowerment-Gruppen

 

Mit den Projektteilnehmerinnen werden regelmässige Workshops durchgeführt, in denen sie Erfahrungen, Ideen und Probleme austauschen und sich gegenseitig unterstützen. Die Frauen werden in den Workshops über ihre Rechte informiert und ihr Selbstvertrauen wird gestärkt.

 

Selbsthilfegruppe, die über sich während des Jahres 2015 austauscht und ihre persönlichen Veränderungen mitteilt; mit Lidia Moreno, einer der Psychologinnen von MIRIAM in der Mitte (pinkes Shirt).
Bei MIRIAM werden den Frauen (sowie den Kindern) psychologische Betreuung angeboten (z. B. bei innerfamilärer Gewalt)
Dezember 2015                                            © Corine Alex Gasser                                    


Partizipation an Festen

 

Die Teilnehmerinnen der berufsbildenden Kurse nehmen sporadisch an Gemeindefesten teil, an welchen sie ihre selbst erstellten Produkte präsentieren und teilweise auch verkaufen können. Die Aktivität hilft den Frauen, weiterhin motiviert zu bleiben und gleichzeitig die Popularität ihrer Produkte zu steigern.


Resultate, Hindernisse und Perspektiven


Erzielte Resultate 2014

 

Die Projektteilnehmerinnen berichteten, dass sie durch MIRIAM viel über verschieden Formen von Gewalt und über ihre Rechte erfahren haben. Sie sind nicht länger bereit, Gewalt stillschweigend hinzunehmen und sie haben gelernt, wie sie sich selbst und ihre Rechte verteidigen können. Die Reflexion über verschiedene Formen von Gewalt sowie über Geschlechterrollen hat auch dazu geführt, dass viele Projektteilnehmerinnen ihren Umgang mit den eigenen Kindern und die angewendeten Erziehungsmuster hinterfragen. Die Frauen bemühen sich um einen respektvollen, auf Dialog statt auf Macht basierenden Umgang mit ihren Kindern.

 

Das in den berufsbildenden Kursen erlangte Wissen können die Frauen in ihrem Alltag umsetzten und es kann ihnen dabei helfen eine Arbeit zu finden, sich weiterzubilden oder ein eigenes Geschäft aufzubauen.

 

Hindernisse

 

Als Hindernis für die Erreichung der Projektziele ist die Wirtschaftskrise zu nennen, welche sich auch in den Familien der Projektteilnehmerinnen auswirkt und dazu geführt hat, dass einige Frauen den Unterricht nur unregelmässig besuchten oder ihn ganz aufgeben mussten. Auch der in den Familien der Projektteilnehmerinnen stark verbreitete Machismo hat einige Frauen daran gehindert, den Unterricht weiter zu besuchen.

 

Einige Frauen haben gute Ideen und die nötige Initiative um ein eigenes Geschäft aufzubauen, jedoch fehlt ihnen dafür das notwendige Startkapital und sie haben keinen Zugang zu Krediten, da sie keine Sicherheiten bieten können.

 

Perspektiven

 

Die ganzheitliche Entwicklung von Frauen soll auch in Zukunft gefördert werden.

 

Die gute Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium soll weiterentwickelt werden, damit die Bildungsangebote von MIRIAM für Frauen in Estelí auch weiterhin mit einem staatlich anerkannten Ausbildungszertifikat abgeschlossen werden können.

Auf Wunsch der Projektteilnehmerinnen eröffnet MIRIAM im Mai 2015 als Pilotversuch einen Konditoreikurs.