Escuela MIRIAM


Die «Escuela MIRIAM» in Esteli bietet verschiedene Bildungsgänge für Frauen ab 14 Jahren an. Das Ziel besteht darin, die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frauen zu fördern und ihr Selbstvertrauen zu stärken.

 

Viele Schülerinnen der Escuela MIRIAM sind von Armut betroffen und bringen keine oder nur eine unzureichende Schulbildung mit. Einige von ihnen haben Kinderarbeit erlebt und arbeiten heute unter prekären Bedingungen als Hausmädchen, in einer Tabakfabrik, als Strassenhändlerinnen, Landarbeiterinnen etc. Nicht selten sind die Projektteilnehmerinnen selbst von häuslicher oder sexueller Gewalt betroffen und werden Opfer von Diskriminierung und Ausbeutung.

 

Von der Alphabetisierung zum Berufsabschluss

 

MIRIAM bietet Alphabetisierungsklassen und Grundschulunterricht, d.h. die Möglichkeit, die sechsjährige Primarschule innerhalb von drei Jahren nachzuholen und mit einem staatlich anerkannten Zeugnis abzuschliessen. Zudem besuchen die Frauen einjährige berufsbildende Kurse in den Bereichen Coiffure/Kosmetik, Schneiderei, Kunsthandwerk und PC-Anwendungen. Nach dem Abschluss der berufsbildenden Kurse erhalten die Frauen ein staatlich anerkanntes Diplom. Da die Schülerinnen unter der Woche oft arbeiten, finden die Kurse jeweils am Wochenende statt.

 

Im Frisierkurs der Escuela MIRIAM erklärt die Lehrerin den Teilnehmerinnen, wie eine Flecht-Frisur gemacht wird.
Die Frauen lernen, Frisuren zu machen, Haare zu schneiden etc., um dann selber dieses erlernte Wissen anzubieten oder eine Stelle in einem Schönheitssalon zu finden und somit finanziell selbständig und unabhängig zu werden.

Foto: Corine Alex Gasser

 

Wirtschaftliche Unabhängigkeit

 

Während dieser Kurse erhalten die Frauen nicht nur eine Berufsausbildung, sondern sie lernen auch, wie man ein eigenes Geschäft führt. So können sie sich nach der Ausbildung eine eigene Existenz aufbauen. Die wirtschaftliche Unabhängigkeit stärkt das Selbstbewusstsein dieser Frauen und hilft ihnen dabei, sich aus gewaltbelasteten Beziehungen zu befreien.

 

Um dies zu erreichen, werden den Kursteilnehmerinnen beispielsweise Grundkenntnisse in Buchhaltung vermittelt, und die Frauen werden dabei unterstützt, sich zusammenzuschliessen, um gemeinsam Material anzuschaffen oder Vertriebsnetzte für ihre Produkte aufzubauen. In Einzelfällen wird eine Grundausstattung zur Verfügung gestellt.

 

Weiterführende Angebote

 

 Mit den Projektteilnehmerinnen werden regelmässige Workshops durchgeführt, in denen sie Erfahrungen, Ideen und Probleme austauschen und sich gegenseitig unterstützen. Dabei wird auch der immer noch stark verankerte Machismo thematisiert, und Geschlechterrollen werden hinterfragt. Auch die Themen häusliche Gewalt und sexuelle Selbstbestimmung kommen zur Sprache. Daneben werden Workshops zu rechtlichen Fragen sowie etwa zu Familienplanung, Erziehung, etc. angeboten.

 

Die Projektteilnehmerinnen werden durch das MIRIAM-Team persönlich begleitet und auch zuhause besucht. Mit den Hausbesuchen soll zwischen den Projektteilnehmerinnen, deren Familien und den Lehrerinnen eine Vertrauensbasis geschaffen werden. Diese ermöglicht es, bei Problemen gemeinsam nach Lösungen zu suchen und einen drohenden Schulabbruch zu verhindern oder einen Wiedereintritt zu erreichen. In den Hausbesuchen wird den Angehörigen zudem vermittelt, wie wichtig die Ausbildung für die Frauen ist und was dies für die ganze Familie bedeuten kann.

 

Alle Projektteilnehmerinnen haben Zugang zu Rechtsberatung und psychologischer Betreuung.